Neue Arbeit - neue Kultur

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Der Begriff der "Neuen Arbeit"

"Arbeit kann uns verkrüppeln und uns sogar umbringen, aber das ist nur eine Möglichkeit. Arbeit vermag uns auch Energien zu schenken, die zu besitzen wir uns hätten nie träumen lassen." (Fritjof Bergmann)


  • Der Begriff geht auf Prof. Frithjof Bergmann zurück und gründet sich auf drei Gedanken:
    • Die Erwerbsarbeit nimmt nur noch einen kleinen Teil der Lebenszeit ein.
    • Die Arbeitszeit gliedert sich in drei Teile: 1/3 herkömmliche Erwerbsarbeit, 1/3 High-Tech Eigenproduktion und 1/3 was der einzelne wirklich, wirklich will.
    • Die Technologie befähigt den einzelnen Menschen die Dinge, die er zum Leben braucht, auf technologisch hohem Niveau selbst herzustellen.
  • Eine wesentliche Basis der neuen Arbeit ist eine Technologie, die es den Menschen ermöglicht, die Dinge, die sie zum Leben brauchen selbst herzustellen. Ein Beispiel dafür ist die Idee des Fabricators, der vergleichbar mit einem 3D-Drucker ist, wie er im Rapid Prototyping verwendet wird.
  • Frithjof Bergmann definiert hier den Begriff des "Wirklich, Wirklich Wollens" als wesentlichen Teil der "Neuen Arbeit" und der "Neuen Kultur". Das, was man wirklich, wirklich will zu finden ist äußerst schwer und für jeden Menschen verschieden. Die Suche nach dem, was man wirklich, wirklich will, kann dadurch begonnen werden, indem man in die nahe Vergangenheit zurückblickt und nach einem Moment sucht, in dem man etwas wirklich mit Leidenschaft getan hat. Wann ist ein Mensch das letzte Mal zum Beispiel vor Wut oder Begeisterung so richtig die Wände hoch gegangen? Die Suche nach diesen Momenten kann einen Hinweis darauf geben, was ein Mensch wirklich, wirklich will.
  • Ein wesentliches Ziel der neuen Arbeit ist nicht nur die Schaffung von materieller Unabhängigkeit sondern auch die seelische Bereicherung des eigenen Lebens.

Praktische Umsetzung

  • Der Stand der heutigen Technik hat uns viele Möglichkeiten eröffnet. Alle diese Technologien über Bord zu werfen und die Neue Arbeit und die neue Kultur nur auf den Fabricator als Maschine für alles aufzubauen, wäre ein Fehler. Der Fabricator ist lediglich ein Symbol, das gegenteilige Bild der gigantischen Maschine, die zum Beispiel alle Waschmaschinen der ganzen Welt herstellt. Beide Bilder sind Extreme und eher symbolisch zu verstehen.
  • Unternehmen, die mit Hilfe von Laserschneiden, Wasserstrahlschneiden und Rapid Prototyping Bauteile nach CAD zeichnung fertigen, sind heute bereits Stand der Technik. Mit Hilfe eines CAD Programms und einem Rapid-Prototyping Unternehmen aus der Nachbarschaft ist die kostengünstige Fertigung von Bauteilen aus dem Computer bereits heute möglich. Hier möchte ich auf die freien CAD-Programme QCAD und FreeCAD hinweisen, die ich in meinem Unternehmen verwende.
  • Es gibt bereits zahlreiche zahlreiche Initiativen, die eigene Maschinen zur Produktion von Bauteilen nach gefertigten Computermodellen entwickeln. Hier sei auf ein Radiointerview mit dem Titel "Basteln im 21. Jahrhundert" verwiesen.
  • Nur dann, wenn durch die Neue Arbeit Lebensgrundlagen erschaffen werden, bekommen die Menschen wirtschaftliche und politische Macht zurück.
  • Eine Voraussetzung für die Durchführung von Projekten zur Förderung der Neuen Arbeit, ist ein funktionierendes Projektmanagement, damit die Projekte nicht von Vornherein zum Scheitern verurteilt sind.
  • Alle Initiativen in Richtung Neue Arbeit sollten unbedingt professionell an die Entwicklung ihrer Technologien der High Tech Eigenproduktion heran gehen. Die High Tech Eigenproduktion muss auf so hohem technischen Niveau sein, dass sie sich in den heute bestehenden Energie- und Stoffkreislauf der Wirtschaft integrieren kann.
  • Zweck der Neuen Arbeit darf nicht die hundertprozentige Selbstversorgung in irgendeiner Kommune sein. Ziel der Neuen Arbeit muss immer die Integration eigener Ressourcen zur High Tech Eigenproduktion in den bestehenden Energie- und Stoffkreislauf vor Ort sein.
  • Der Zusammenschluss von Menschen zur High Tech Eigenproduktion sollte nicht in Form einer Kommune stattfinden, sondern besser durch die Herausbildung von Unternehmensnetzwerken. Ein Zusammenschluss von Unternehmen zu einem Unternehmensnetzwerk ist sinnvoll, weil zum einen nicht alle Ressourcen mehrfach beschafft werden müssen und zum anderen gegenseitige Finanzielle Unterstützung der einzelnen Unternehmen untereinander möglich ist. Auf diese Weise können neue Projekte durch bereits abgeschlossene Projekte finanziert werden, was die Abhängigkeit von Bankkrediten und Zinszahlungen verringert.
  • Ich möchte hier noch auf den Leitfaden für freie Technologien hinweisen.
  • Bergmans Visionen können nur dann realisiert werden, wenn möglichst viele Leute eigene Unternehmen gründen und eigene Ressourcen wie z.B. Fabrikatoren erschaffen und mit diesen neuem Maschinen eigene Erfahrungen mit all den Erfolgen und Rückschlägen machen. Die Energie- und Stoffströme, die für die Versorgung unserer Gesellschaft notwendig sind, sind gigantisch. Unser jetziges Wirtschaftssystem versorgt zur Zeit fast sieben milliarden Menschen. Diese gigantischen Stoffströme kann man nicht von heute auf morgen umleiten oder auf andere Weise realiseren. Die Umstellung dauert Generationen. Nur durch Wechselwirkung vieler aktiv handelnder Teilnehmer kann diese höchst komplexe Aufgabe gemeistert werden.


Kritik an der neuen Arbeit


Literatur

  • (1) : Bergmann, Fritjof: Neue Arbeit - Neue Kultur. Arbor-Verlag. Freiamt, 2004
  • (2) : Carson, Kevin A.: Homebrew Industrial Revolution - A Low-Overhead Manifesto. http://homebrewindustrialrevolution.wordpress.com Dieses Buch muss noch gesichtet werden, es scheint aber sehr interessant zu sein

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