Realisieren von Erfindungen

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Inhaltsverzeichnis

Über den Sinn und Unsinn von Erfindungen

Allgemeines

  • Etwas zu erfinden und dann zu versuchen, die Erfindung irgendwie zu vermarkten ist fast immer der falsche Weg. Bis auf wenige Erfinder, die einfach nur Glück haben, scheitern die meisten Erfinder, weil sie mit ihrer Erfindung nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Das strahlende Licht der Erfinder, die Glück hatten ist wie ein Feuer, dass nachts Insekten anzieht, die dann im Feuer verbrennen.


Erfinden

  • Erfinden und Konstruieren ist immer ein Evolutionsprozess. Der Evolutionsprozess besteht ähnlich wie bei Lebewesen aus Mutation, Rekombination und Selektion. Die besten Ergebnisse erziele ich als Erfinder, indem ich von einem schnell erstellten, bekannten und nicht optimalen technischen Konzept ausgehe und dieses mit einem Evolutionsalgorithmus rekursiv bearbeite. Ich verändere die Konstruktion, prüfe dann, ob die neue Version besser ist als die alte. Wenn eine Veränderung zu einer Verbesserung führt, wird die neu entstandene Version der Konstruktion beibehalten, ansonsten wird diese verworfen. Ab und zu füge ich ein neues Merkmal dieser Konstruktion hinzu oder lasse ein Merkmal weg und der Evolutionsalgorithmus wird erneut gestartet. Diese Erkenntnis stammt aus meiner Erfahrung als Erfinder.
  • Von irgendwelchen Kreativitätsmetohen wie TRIZ halte ich nicht viel, weil sie meist nur, vergleichbar mit einem Baukastensystem, eine Gruppe von bekannten Merkmalen in allen möglichen Varianten kombinieren und dann daraus scheinbar neue Produkte zusammenstellen.
  • Die Tätigkeit des Erfindens muss unbedingt von der Tätigkeit des Vermarktens getrennt gehalten werden. Erfindungen sind nicht da, um vermarktet zu werden. Es ist sehr wichtig, das immer zu berücksichtigen und im Auge zu behalten.
  • Werden Erfindung und Vermarktung nicht streng getrennt, so führt das meist dazu, dass der Erfinder sich krank arbeitet und den Vertriebsleuten die Formulierung der Anforderungen für ein zu entwickelndes Produkt nicht möglich ist. Das führt in der Praxis dazu, dass Erfinder und Vertriebsleute sich frustriert die Schuld zuweisen. Die Erfinder werfen den Vertriebsleuten Inkompetenz bei der Vermarktung vor, die Vertriebsleute beschuldigen die Erfinder, dass sie völlig Praxisfern sind und nur Zeug erfinden, dass man nicht verkaufen kann. Beide Seiten reden aneinander vorbei.
  • Erfindungen erweitern den Raum der Möglichkeiten, mehr nicht. Erfindungen sollten in erster Linie erforscht und bezüglich ihrer Machbarkeit geprüft werden. Zur Erforschung bietet sich die mathematische Modellierung der Erfindung und kleine Laborversuche an. Mehr Aufwand sollte aber in eine Erfindung nicht investiert werden.
  • Das Erfinden beinhaltet drei Komponenten, die alle zwingend notwendig sind:
    • Inspiration: Der Erfinder hat eine Eingebung, wie eine Technik aussehen könnte. Ob diese Technik physikalisch machbar ist, ist bis dahin noch nicht bekannt.
    • Prüfung der prinzipiellen Machbarkeit: Es wird eine sauber recherchierte und wissenschaftlich belegbare Machbarkeitsstudie erstellt.
    • Konzipierung: Die Erfindung wird so weit entwickelt, dass der Hersteller Personal zur Produktentwicklung einsetzen kann.


Vermarktung

  • Bei der Vermarktung geht es niemals um die Realisierung von Erfindungen. Bei der Vermarktung geht es um die Erforschung von Ressourcen, die erschlossen oder gepflegt und erhalten werden sollen.
  • Im ersten Schritt werden die Bedingungen vor Ort geklärt. Das heißt, es wird nach Stoff- und Energieströmen gesucht, die noch ungenutzt oder nicht zielführend genutzt fließen. Diese Stoff- und Energieströme stellen die Ressource dar. Sind freie Stoff- und Energieströme vor Ort nicht vorhanden, so bedeutet die Vermarktung einer Erfindung immer die Verdrängung eines Akteurs, von dem der betreffende Stoff- und Energiestrom bereits genutzt wird. Solche Verdrängungen sind, obwohl sie heute modern sind, nach Möglichkeit zu vermeiden, weil sie viel Ressourcen verbrauchen und die Möglichkeit einer Kooperation zerstören.
  • Der zweite Schritt ist die Erforschung der technischen Möglichkeiten, mit der Ressource umzugehen. Ziel ist es, den Raum der Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Bei Bedarf können gefundene Handlungsmöglichkeiten realisiert werden. Je mehr Erfindungen erforscht sind und hierfür zu Verfügung stehen, desto größer ist der Raum der Handlungsmöglichkeiten. Das erlaubt dann, die vorhandene Ressource effektiv zu nutzen.


Ein sehr problematisches Zusammenspiel zwischen Erfinder, Hersteller, Vertrieb und Nachfrage ist in folgender Skizze dargestellt:
Erfinder-Unternehmensform.jpg


  • Es ist sehr wichtig, dass ein Erfinder immer zuerst Kontakt zu einem Betreiber einer Ressource hat, die genutzt werden soll. Danach kann er sich nach mögliche Herstellern seiner Erfindung umsehen oder sich an mögliche Herstellen aus seinem Netzwerk wenden. Der Handel wird erst zum Schluss ins Netzwerk geholt, wenn die Erfindung sich bewährt hat und diese nun möglichst oft verkauft werden soll. Händler gehören keinesfalls in die Projektentwicklung eingebunden, da sie meiner Erfahrung nach viel Schaden bei der Produktentwicklung aber auch beim zwischenmenschlichen Verhalten der Teilnehmer anrichten.


Erfindervergütung

  • Verteilung der Erträge - Hier habe ich die wichtigsten Aspekte der Verteilung der Erträge beschrieben, auf die sich auch die Erfindervergütung stützt.
  • Erfindungen so weit fertig zu konzipieren, dass daraus ein Produkt entwickelt werden kann, ist oft mit einem erheblichen Aufwand verbunden, der durch die Erfindervergütung wieder ausgeglichen werden muss. Auch der Aufwand für die Aneignung des Fachwissens zur Konzipierung der Erfindung muss durch die Erfindervergütung ausgeglichen werden.
  • Die Erfindervergütung muss auch einen Gewinn beinhalten, der über die Deckung des Aufwandes hinaus geht, da der Erfinder eigene finanzielle Reserven aufbauen muss, um in Zukunft weitere Erfindungen in Vorleistung konzipieren zu können.
  • Wird der Aufwand zur Konzipierung der Erfindung inklusive des Gewinns nicht ausgeglichen, geht die Entwicklungsarbeit auf Kosten der Ressourcen des Erfinders.
  • Die angestrebte Höhe der Vergütung des Erfinders muss dem Hersteller unbedingt vor der Vermarktung der Erfindung mitgeteilt werden. Möchte der Erfinder eine hohe Vergütung für seine Erfindung, weil der Entwicklungsaufwand sehr hoch war, so müssen durch die Realisierung der Erfindung mehr Ressourcen geschaffen werden, als wenn der Erfinder eine geringe Vergütung für seine Erfindung möchte. Wenn der Hersteller des erfundenen Produkts die angestrebte Höhe der Erfindervergütung kennt, kann er die Vermarktung so gestalten, dass für alle beteiligten eine Win-Win-Situation entsteht.
  • Die minimale Höhe der Erfindervergütung richtet sich nach dem Aufwand, der zur Konzipierung der Erfindung notwendig ist. Diese wird am besten als zu zahlender Betrag festgelegt.
  • Die maximale Höhe der Erfindervergütung richtet sich nach der maximalen Menge an nutzbaren Ressourcen, die durch die Erfindung geschaffen werden kann. Die Differenz zwischen der minimalen Erfindervergütung und der maximalen Erfindervergütung kann in Form einer Beteiligung am Gewinn aus der Erfindung erfolgen.
  • Eine Verhandlung der Erfindervergütung macht keinen Sinn, weil es nichts zu verhandeln gibt. Es geht ausschließlich um die Frage, wie durch die Erfindung die notwendigen Menge an brauchbaren Ressourcen geschaffen werden kann, die eine entsprechend hohe Erfindervergütung ermöglichen. Diese Frage sollte im Gespräch mit dem Hersteller gemeinsam beantwortet werden. Ziel muss immer eine Win-Win-Situation sein.


Einige wichtige Dinge

  • Kleine und mittelständische Unternehmen sind im allgemeinen bei der Realisierung von Erfindungen zu bevorzugen, weil diese flexibler sind.
  • Suche Dir nur den Hersteller, der auch die Ressourcen hat, um die Erfindung herzustellen und zu vertreiben.
  • Sorge dafür, dass der erste Prototyp eigene Erträge erwirtschaftet, so dass er an seinen Nutzer verkauft werden kann.
  • Erfinder, die nicht über ein eigenes Vertriebsnetz verfügen, sollten die Vermarktung ihrer Erfindung denen überlassen, die ein Vertriebsnetz haben.
  • Führe nicht mehr als drei Projekte gleichzeitig durch, weil dies sehr gesundheitsschädlich ist und auf Dauer organisatorisch schief geht. Gib notfalls Projekte an interessierte Menschen ab.
  • Ist eine Erfindung "zu heiß", so dass sie mächtigen Unternehmen erhebliche Veränderungen aufzwingt, so publiziere die Erfindung vor Projektbeginn in Form eines Gebrauchsmusters und schenke sie der Öffentlichkeit. Publiziere die Erfindung parallel dazu im Internet und Sorge dafür, dass die großen Suchmaschinen Deine Erfindung finden und dokumentieren. Das solltest Du tun, solange die Erfindung noch uninteressant scheint.


Durchführung von Projekten



Entrepreneurship

  • Entrepreneurship.de - Eine Webseite, die sich mit dem Thema der Unternehmensgründung aus Komponenten beschäftigt. Hier wird gezeigt, dass das Aufbringen großer Mengen an Startkapital heutzutage sehr oft nicht notwendig ist.
  • Herstellung und Vertrieb sind Komponenten, die der Erfindern spezialisierten Unternehmen überlassen sollte, wenn er für Herstellung und Vertrieb keine Ressourcen hat.


Weblinks

  • Hans Sauer Stiftung - Eine umfangreiche Webseite mit einem Online Erfinder Leitfaden. Die Stiftung ist meiner Erfahrung nach sehr hilfsbereit und kompetent.